Ich will versuchen in Gleichungen zu denken.
Dann ist Bananen Frappé gleich weissen hochgeknöpften Hemden über die man fusselige Strickjacken gezogen hat, schlammgrüne Tinte auf zerknüllten Fetzen Papier und gut gespielte Lockerheit, umgeben vom Drang, das, was innen gehortet wird, adäquat an die Oberfläche zu bringen.
Und in diesem Fall wird das Resultat null gleich null sein.
Wahrscheinlich weil ich schlecht bin in Mathematik.
Wahrscheinlich weil Bananen Frappé nur mit lauen Sommernächten, ekelerregenden Pastellfarben und herben Mahlzeiten nach der Arbeit gleichgesetzt werden darf.
Habe ich es zu hart versucht.
Nein, nein.
Ich denke der wahre Grund ist, dass ich gerade dabei bin, alles zu zerschlagen.
Mit roher Gewalt auf alles einhämmern bis mir staubige Trümmer, die Lebensfetzen zeigend, zurückbleiben.
Und daraus werde ich bauen.
Zum Beispiel den einsamen Moment der Biederkeit bei Bananen Frappé sitzend, gepaart mit Unsicherheit und Worten, die zwischen Zetteln mit Telefonnummern und Einkaufslisten hingekritzelt werden.
Industry-of-Fools
Montag, 5. März 2012
Dienstag, 28. Februar 2012
Bücher die ich seit peinlicher langer Zeit besitze und immernoch nicht fertig gelesen habe.

Drumul scurt spre casa - Catalin Dorian Florescu /// Der Knacks - Roger Willemsen /// Emma - Jane Austen /// Tauben fliegen auf - Melinda Nagj Abonji /// Das Kopfkissenbuch der Dame Sei Shonagon /// Afrikanische Totenklage - Peter Scholl-Latour ///
extra peinlich: das sind noch nicht alle..!
| résumé: |
Donnerstag, 23. Februar 2012
Oh Klischee
Da ist immer dieses Gefühl. Nicht warm und nicht kalt, einfach angenehm. Ein herzhafter Biss in einen jungen Apfel. Indirektes Licht auf meine Hände, wenn sie fliegen. Ich glaube es kaum, wie erleuchtet ich mich fühle. Da leb ich nun, in meinen eigenen preziösen Gedanken, voll schwirrenden Worten und scheuen Entdeckungen. Er lief weg, nicht weil er einen besonderen Entschluss gefasst hätte, sondern weil es viele Wege gibt. Sie drehte sich um und ich wollte mich mit ihr drehen, aber mein eigener Kompass zeigt nach Süden. Und doch sind wir hier nicht allein. Meine Gedanken schliessen jeden Tag neue Freundschaften, manchmal bringen sie seltsame Leute nachhause. Einer hat eine grosse Tätowierung auf der dünnen Brust. Die selbe Sprache sprechen wir nicht und ich habe die Zeichen noch nie gesehen, aber er meint es bedeute Freiheit. So wie die schwarzen Linien schmecken, könnten sie auch Schokoladenmilch oder Johannisbrot bedeuten. Manchmal habe ich böse Gedanken über die Inhalte meiner vielen Schubladen, dann liege ich auf dem Rücken und verfolge den Streifen Licht am unteren Ende des Fensters. Die Peinlichkeiten hinter mir zu vergolden ist falsch. Das Gefühl rüttelt an meiner Decke. Ich weiss ja, ich weiss. Wilde Biester springen an mir hoch, aber der Instinkt zur Sicherheit ist mir abhanden gekommen. Mir ist nicht kalt, ich habe keinen Hunger, ich habe keine Angst, ich habe keine Verpflichtungen. Nur eine, vielleicht. Ich muss meinen Besuchern etwas Gastfreundschaft zeigen. Der Blondine mit den umwerfenden Beinen, die eigentlich ein Mann ist. Die Welt, wie sie mir einst gelehrt wurde, ist zum Porenwasser meiner eigenen Realität geworden. Und ich ziehe nicht und nie mehr in Betracht, dass ich wahnsinnig sein könnte und dass mir deswegen alles so normal erscheint und ich keinen Verdacht schöpfe, wo doch so viele Köpfe sich besorgt zur Seite drehen. Ich bin nicht wahnsinnig. Und ich sage das absichtlich, weil Leute die das betonen, umso mehr als wahnsinnige dastehen. Wer ist denn hier wahnsinnig? Diejenigen, die sich in endlosem Grau das Rückgrat brechen oder ich, die hier schlimme Sachen mit den Nymphen der Nacht tut und fremde Gerüche an sich reibt- dabei jedoch lächelt.
| résumé: |
Freitag, 10. Februar 2012
That shocking moment when you are just fine.
In letzter Zeit stellte sich mir immer öfter die Frage, ob ich gesund oder nur abgelenkt bin. Und ich will für einmal nicht darauf ausweichen, mir zu überlegen was Gesundheit und Normalität und Integration eigentlich sind. Auch nicht darauf in welcher Form Heilung überhaupt möglich ist, wenn man an dem Punkt war, an dem man glaubt, das Ende der Welt wie einen strengen Strich vor sich zu sehen.
Dieses Jahr habe ich gelernt. Sehr viel gelernt. Über:
Mich
Mitmenschen
Menschen
Gesellschaft
Politik (cheesy cheesy)
Glück
Pflicht & Empörung (für mich unweigerlich verbunden)
und das unvermeidliche Post-Highschool brüten nach dem Sinn des Lebens.
Aber ich denke das Brutalste, was mir passiert ist, ist dass ich nicht nur Phrasen lernte und Theorien wahrnahm, sondern sie erkannte. Voll und Ganz. Viele von den Dingen, die dem kranken Geist bekannt sind, können eben diesem nicht helfen, weil man sie zwar intelektuell wahrnimmt, aber nicht tiefer verarbeiten kann. Viele psychisch kranke Personen sind sich durchaus bewusst, welche ihrer Gedanken irrational sind, dass sie unsinnige Sachen Denken und Fühlen und Tun. Aber es bleibt distanziert. Es leuchtet nicht auf. Natürlich hat man Geisteblitze und das Hirn sagt einem perfekt logische Dinge.
Ja, ich verstehe.
Ja, ich weiss.
Ich habe dies oft beteuert, mir selbst wiederholt. Aber es half nicht. Und dies ist auch der Grund, warum mir persönlich (und ich wette einigen anderen auch), die sogenannte professionelle Hilfe nie geholfen hätte. Ich habe diesen Weg einmal versucht, sowohl mir als auch meinem Gegenüber wurde eines nach kaum fünf Minuten klar: Diese Person konnte mir nichts neues sagen, ich wusste warum, wie, wann, wieso. Ich kenne mich selbst sehr gut und überraschenderweise ist mir mein eigenes Wesen sehr klar vor Augen, ich habe eine grosse Kritikfähigkeit mir selber gegenüber und ich weiss sehr genau, was falsch ist an mir und meinem eigenen Gedankengut. Dass ich zu stolz bin, um jedem Einlass zu gewähren, meine eigene Wahrheit, sei mir gegönnt.
Was war also das Problem? Ich war (und zwischendurch bin ich es immernoch) sehr verbittert, ich hatte sehr klare Vorstellungen von gewissen Dingen. Nichts davon erwies sich als falsch, nur als unpassend für mich. Und ich habe mich sehr sehr einsam gefühlt. Und unverstanden, wie sollte es auch anders sein. Ich denke, rückblickend war die Einsamkeit mein grösstes Problem. Die Kälte und die Distanz. Das mag sich wie eine Anschuldigung anhören und verdammt, es ist auch eine. Aber ich sehe, es gibt keine Schuldigen, nicht wirklich. Nur verschiedene Vorstellungen, Temperamente im Bezug auf den Begriff "Freundschaft".
Ich habe mich ausgeklinkt aus allen Verbindungen, die ich hatte. Ich stellte fest, dass ich niemanden brauche. Es fühlte sich auf einmal nicht schlimm an, allein zu sein. Es war ein schlichtweg kitschiger Anne Frank Moment, als ich merkte, wie gut ich sein konnte. Endlich war der Raum da, um der Person, die ich in meinem Kopf hüte, nach aussen Platz zu bieten. Nein, ich bin nicht völlig schizophren. Einiges wird sich nie ändern, wenn ich es nicht vermeiden muss, fluche ich für immer und ewig wie ein alter Seemann.
Aber ich habe gelernt, dass sich -leider- sehr viele Menschen problemlos ersetzen lassen im Leben. Diese Erkenntnis tut zuerst weh, aber dann kam jemand, der mir eben so Schmerz hinzugefügt hat und sagte, dass es gut ist. Nicht nur okay, sondern gut. Menschen treten ins Leben und gehen wieder, selten bleiben sie für sehr lange oder -man wagt es kaum zu sagen- für immer. So sehr ich auch an der Romantik von besten Freundschaften hänge, es ist in Ordnung loszulassen. Es ist gut. Danke für dieses Wissen.
Viele Menschen waren in meinem Leben und traten wieder heraus oder traten wieder weg. Manchmal wachsen einfach die Abstände und es bilden sich luftleere Räume, man nimmt kaum wahr, wie die Seelen einem entschwinden. Manchmal sind die Kanten schärfer, manchmal muss man Schlussstriche ziehen, weil man sich eingesteht, dass man einfach nicht mehr der gleiche Mensch ist. Zum Glück! Zum Glück hat man gelernt, gesehen, erlebt und dass man sich dann weiterentwickelt ist eine logische Konsequenz.
Es hat immer einen bitteren Beigeschmack, sich so etwas einzugesten.
Ich mag dich nicht mehr.
Wir verstehen uns nicht mehr.
Es gibt keine Grund mehr, wieso wir uns verstehen sollten.
Ich weiss nicht, für wen dies härter ist. Für den, der es hört oder für den, der diese Wahrheit erfasst hat und die Entscheidung treffen musste.
Meine Entscheidungen sind getroffen. Gewisse waren bitterer als andere, aber ich habe meinen Frieden mit ihnen. Nun sind diese Menschen kein Teil mehr von mir. Viele sind ein Teil meines Lebens geblieben, sei es nur schon aus irgendwelchen bindenden sozialen Gegebenheiten. Aber wir sind uns nicht mehr nah.
Es ist angenehm zu spüren, wie Ariadne die Fäden des Lebens voneinander entwirrlt und ihnen die Freiheit gibt sich mit anderen, passenderen Fäden zu verflechten. Und auch rückblickend ist es zum Grossteil in Ordnung. Wenn ich auf das Muster blicke, dass mein Lebensfaden bisher hinterlassen hat, bin ich nicht sehr enttäuscht. Ich wünschte ich könnte mit Edith Piaf Rien de Rien im Duett singen, aber Nein. Ich bereue, durchaus. Aber es ist nicht schlimm. Reue ist nicht nur bitter, sie ist auch eine sehr erfolgreiche Lektion
Any mind that is capable of real sorrow is capable of good.
-Harriet Beecher Stowe
Genius is sorrow's child.
-John Adams
Bear and endure: This sorrow will one day prove to be for your good.
-Ovid
Dies glaube ich.
Und meine Reue ist einfach Reue. Ich fühle nicht brennenden Hass, ich habe keine Rachegelüste. Man darf mir höchstens vorwerfen, dass Gleichgültigkeit oftmals grausamer ist als die tiefste Abneigung. Gewisse Dinge werde ich mir und anderen niemals verzeihen. Und dieses nicht verzeihen ist ein Geschenk an mich selbst. Ein Denkmal an das, was ich verloren habe, was geopfert wurde und nicht wiederkehrt. Aber ich habe meinen Frieden damit, so wie es jetzt für mich ist.
Ich horche tief hinein, aber da sind keine Tränen, da ist keine Wut, die brodelt. Es macht sich nur ein bischen Aufregung bemerkbar. Was wird noch kommen, fragt mein Bauch. Antworten kann ich nicht. Wer weiss das schon. Wahrscheinlich kommt auch Schlimmes, so ist es meistens. Auch das bedrückt mich nicht. Weniges tut es überhaupt, in diesen Tagen. Das Wesen dieser Welt zu ertragen, wenn man ihre Wahrheit erkennt, ist überraschend leicht, wenn man auch erkennt, dass es nicht direkt eine persönliche Qual ist, die aus der Erkenntnis resultiert. Man weiss jetzt einfach mehr.
Es ist in Ordnung. Mir geht es gut. Ich fühle mich leicht.
Dieses Jahr habe ich gelernt. Sehr viel gelernt. Über:
Mich
Mitmenschen
Menschen
Gesellschaft
Politik (cheesy cheesy)
Glück
Pflicht & Empörung (für mich unweigerlich verbunden)
und das unvermeidliche Post-Highschool brüten nach dem Sinn des Lebens.
Aber ich denke das Brutalste, was mir passiert ist, ist dass ich nicht nur Phrasen lernte und Theorien wahrnahm, sondern sie erkannte. Voll und Ganz. Viele von den Dingen, die dem kranken Geist bekannt sind, können eben diesem nicht helfen, weil man sie zwar intelektuell wahrnimmt, aber nicht tiefer verarbeiten kann. Viele psychisch kranke Personen sind sich durchaus bewusst, welche ihrer Gedanken irrational sind, dass sie unsinnige Sachen Denken und Fühlen und Tun. Aber es bleibt distanziert. Es leuchtet nicht auf. Natürlich hat man Geisteblitze und das Hirn sagt einem perfekt logische Dinge.
Ja, ich verstehe.
Ja, ich weiss.
Ich habe dies oft beteuert, mir selbst wiederholt. Aber es half nicht. Und dies ist auch der Grund, warum mir persönlich (und ich wette einigen anderen auch), die sogenannte professionelle Hilfe nie geholfen hätte. Ich habe diesen Weg einmal versucht, sowohl mir als auch meinem Gegenüber wurde eines nach kaum fünf Minuten klar: Diese Person konnte mir nichts neues sagen, ich wusste warum, wie, wann, wieso. Ich kenne mich selbst sehr gut und überraschenderweise ist mir mein eigenes Wesen sehr klar vor Augen, ich habe eine grosse Kritikfähigkeit mir selber gegenüber und ich weiss sehr genau, was falsch ist an mir und meinem eigenen Gedankengut. Dass ich zu stolz bin, um jedem Einlass zu gewähren, meine eigene Wahrheit, sei mir gegönnt.
Was war also das Problem? Ich war (und zwischendurch bin ich es immernoch) sehr verbittert, ich hatte sehr klare Vorstellungen von gewissen Dingen. Nichts davon erwies sich als falsch, nur als unpassend für mich. Und ich habe mich sehr sehr einsam gefühlt. Und unverstanden, wie sollte es auch anders sein. Ich denke, rückblickend war die Einsamkeit mein grösstes Problem. Die Kälte und die Distanz. Das mag sich wie eine Anschuldigung anhören und verdammt, es ist auch eine. Aber ich sehe, es gibt keine Schuldigen, nicht wirklich. Nur verschiedene Vorstellungen, Temperamente im Bezug auf den Begriff "Freundschaft".
Ich habe mich ausgeklinkt aus allen Verbindungen, die ich hatte. Ich stellte fest, dass ich niemanden brauche. Es fühlte sich auf einmal nicht schlimm an, allein zu sein. Es war ein schlichtweg kitschiger Anne Frank Moment, als ich merkte, wie gut ich sein konnte. Endlich war der Raum da, um der Person, die ich in meinem Kopf hüte, nach aussen Platz zu bieten. Nein, ich bin nicht völlig schizophren. Einiges wird sich nie ändern, wenn ich es nicht vermeiden muss, fluche ich für immer und ewig wie ein alter Seemann.
Aber ich habe gelernt, dass sich -leider- sehr viele Menschen problemlos ersetzen lassen im Leben. Diese Erkenntnis tut zuerst weh, aber dann kam jemand, der mir eben so Schmerz hinzugefügt hat und sagte, dass es gut ist. Nicht nur okay, sondern gut. Menschen treten ins Leben und gehen wieder, selten bleiben sie für sehr lange oder -man wagt es kaum zu sagen- für immer. So sehr ich auch an der Romantik von besten Freundschaften hänge, es ist in Ordnung loszulassen. Es ist gut. Danke für dieses Wissen.
Viele Menschen waren in meinem Leben und traten wieder heraus oder traten wieder weg. Manchmal wachsen einfach die Abstände und es bilden sich luftleere Räume, man nimmt kaum wahr, wie die Seelen einem entschwinden. Manchmal sind die Kanten schärfer, manchmal muss man Schlussstriche ziehen, weil man sich eingesteht, dass man einfach nicht mehr der gleiche Mensch ist. Zum Glück! Zum Glück hat man gelernt, gesehen, erlebt und dass man sich dann weiterentwickelt ist eine logische Konsequenz.
Es hat immer einen bitteren Beigeschmack, sich so etwas einzugesten.
Ich mag dich nicht mehr.
Wir verstehen uns nicht mehr.
Es gibt keine Grund mehr, wieso wir uns verstehen sollten.
Ich weiss nicht, für wen dies härter ist. Für den, der es hört oder für den, der diese Wahrheit erfasst hat und die Entscheidung treffen musste.
Meine Entscheidungen sind getroffen. Gewisse waren bitterer als andere, aber ich habe meinen Frieden mit ihnen. Nun sind diese Menschen kein Teil mehr von mir. Viele sind ein Teil meines Lebens geblieben, sei es nur schon aus irgendwelchen bindenden sozialen Gegebenheiten. Aber wir sind uns nicht mehr nah.
Es ist angenehm zu spüren, wie Ariadne die Fäden des Lebens voneinander entwirrlt und ihnen die Freiheit gibt sich mit anderen, passenderen Fäden zu verflechten. Und auch rückblickend ist es zum Grossteil in Ordnung. Wenn ich auf das Muster blicke, dass mein Lebensfaden bisher hinterlassen hat, bin ich nicht sehr enttäuscht. Ich wünschte ich könnte mit Edith Piaf Rien de Rien im Duett singen, aber Nein. Ich bereue, durchaus. Aber es ist nicht schlimm. Reue ist nicht nur bitter, sie ist auch eine sehr erfolgreiche Lektion
Any mind that is capable of real sorrow is capable of good.
-Harriet Beecher Stowe
Genius is sorrow's child.
-John Adams
Bear and endure: This sorrow will one day prove to be for your good.
-Ovid
Dies glaube ich.
Und meine Reue ist einfach Reue. Ich fühle nicht brennenden Hass, ich habe keine Rachegelüste. Man darf mir höchstens vorwerfen, dass Gleichgültigkeit oftmals grausamer ist als die tiefste Abneigung. Gewisse Dinge werde ich mir und anderen niemals verzeihen. Und dieses nicht verzeihen ist ein Geschenk an mich selbst. Ein Denkmal an das, was ich verloren habe, was geopfert wurde und nicht wiederkehrt. Aber ich habe meinen Frieden damit, so wie es jetzt für mich ist.
Ich horche tief hinein, aber da sind keine Tränen, da ist keine Wut, die brodelt. Es macht sich nur ein bischen Aufregung bemerkbar. Was wird noch kommen, fragt mein Bauch. Antworten kann ich nicht. Wer weiss das schon. Wahrscheinlich kommt auch Schlimmes, so ist es meistens. Auch das bedrückt mich nicht. Weniges tut es überhaupt, in diesen Tagen. Das Wesen dieser Welt zu ertragen, wenn man ihre Wahrheit erkennt, ist überraschend leicht, wenn man auch erkennt, dass es nicht direkt eine persönliche Qual ist, die aus der Erkenntnis resultiert. Man weiss jetzt einfach mehr.
Es ist in Ordnung. Mir geht es gut. Ich fühle mich leicht.
| résumé: |
Montag, 16. Januar 2012
Des barreaux sont des barreaux, même en or
Unsere Gesellschaft ekelt mich an. So richtig. So richtig, wirklich, tief. Ganz tief.
Mit Gesellschaft meine ich die rotzigen Bleichgesichter der nördlichen Hemispähre, hier in Westeuropa und dem Ungetüm das sich Amerika schimpft. Manchmal leb ich so mein Leben und dann kommt so wieder so eine fabelhafte Aktion von irgendeiner Quarknase, die ihre ganze Allgemeinbildung aus dem Newsfeed der Homepage ihres Emilaccounts zieht. Dann liest man so intelligenzpotente Sätze wie "Araber sind doch eh alle Terroristen!"
Ich weiss nicht, wie ich das sonst sagen soll, aber es tut weh. Nein wirklich, ich kann fühlen, wie mich die Ignoranz gewisser Leute in körperlichem Schmerz tangiert. Und deswegen muss ich jetzt gewisse Dinge, die schon tausend Mal klargesellt wurden, erneut klarstellen. Viel Hoffnung gibt es nicht. Jedenfalls nicht für die meisten von uns, aber man soll es ja versuchen.
Nun denn.
Die Gruppe von Personen, die wir gemeinhin als "Terroristen" bezeichnen, bilden nur einen verschwindend kleinen Teil der islamischen Gemeinschaft. Punkt.
Ah...natürlich, ich höre schon jemanden hinten in der Ecke murmeln, ohne mich anzusehen:
"Aber die denken alle so!"
Ich versuche freundlich davon abzusehen, dass Menschen, die nie ein persönliches Wort mit irgendeiner ausländischen Person wechseln würden, sich imstande fühlen, über die Ansichten eben dieser zu urteilen.
Weiter soll erwähnt sein, dass nicht alle Araber Muslime sind. Es gibt Araber die Christen sind, die sogar Katholiken sind (warum auch immer irgendjemand katholisch sein wollen würde, aber das ist eine persönliche Haltung und ein anderes Thema) und es gibt auch säkularisierte Araber, genauso wie es in unseren Kreisen zum Grösstenteil der Fall ist. Ja, da staunt ihr Feiertagschristen über den Festtagsmoslem, der vor Ramadan seine Lichterketten raushängt und am Samstagnachmittag beim Fussballmatch ne Bratwurst isst. Ja, gerne noch ein Bier, bitte!
Aber wir wollen uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren: Nein! Nicht alle Muslime sind Araber! Türken sind keine Araber, sie sind Türken. Und jemand aus Afghanistan ist mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Paschtune oder Tadschike, jemand aus dem Iran kann Perser sein, aber beim Sparkonto eures Grossvaters: Araber sind sie nicht!
In mir lauert das tiefe Bedürfnis noch mehr zu sagen, noch mehr zu differenzieren. Es gibt da draussen unzählige terroristische Organisationen. Terror ist keine Erfindung des Islam, ich befürchte viel mehr mitteilen zu müssen, dass gewisse Kollegen im Nachbarland Frankreich weit näher am Ursprung dessen sind (hust-robespierre-hust). Ich denke man kann wagen zu behaupten, dass Frankreich zu unserem christlichen Kulturkreis gehört. Touché. Des weiteren sind nicht alle terroristischen Organisationen die unter ihren Mitgliedern eine Grosszahl Muslime beherbergen dem Dschihad gewidmet. Ganz ehrlich Leute, man könnte meinen ihr wärt weise genug diesen Leuten mehr als nur einen Grund zum kämpfen zuzumuten. Und das alles ganz abgsehen davon, dass man sich noch ein Erdzeitalter drum streiten kann, was Terrorismus eigentlich ist und wer demnach als Terrorist aufgeführt werden sollte. Freche Zungen würden ja behaupten, dass diese Supermacht, auf der anderen Seite vom grossen Teich und gewisser Lebensmittelkonzern am Genfersee auch dazugerechnet werden könnten. Ich hab natürlich nichts gesagt. Hab ja keine Anwälte und alles, überlasse ich Jean Ziegler.
Ja, diese ganzen Ungenauigkeiten sind schon ziemlich fies, aber es ist etwas anderes, was die ganze Sache wirklich ekelerregend macht.
Es gibt Blödmänner, die am Bahnhof ihre Hassparolen auf Muslime herumtröten und sich dann einen Döner holen. Nein, mit diesem Pack wollen sie gar nichts zu tun haben. Primitive Biester, seien das. Schmatz. Schmatz. Kommen nur hierher, um uns die Arbeitsplätze und Frauen wegzunehmen. Schmatz. Schmatz. Schmatz. Haben daheim wahrscheinlich schon alles vergewaltigt, was bei drei nicht aufm Baum war. Schmatz. Schmatz. Rülps.
Es gibt Blödmannsgehilfen, die Freitagabends ihre Töchter aus dem Bauchtanzkurs abholen, damit ihr ja nichts auf dem Nachhauseweg passieren kann. Man weiss ja nie heutzutage, bei den ganzen geflüchteten-... von wo waren die nochmal? Eritrea, genau. Diese Islamisten sind auch wirklich zu dumm, um ihre eigene Wirtschaft am laufen zu halten. Machen daheim ne riesen Pleite, dann ziehen sie weiter und saugen das nächste Land aus. Aber die anderen, diese arroganten Lammfleischfresser, sind auch nicht besser, obwohl sie nicht schwarz sind. Gar keine Kultur haben die. Wissen wahrscheinlich gar nicht, was das ist. Lebt ja auch in Erdhöhlen das Getier. Ah, da kommt das tolle Lied wieder! Jaja, Aicha ekute mua!
Es gibt Blödmannsgehilfeanwärter, die gerne Ferien machen in Sharm el-Sheikh. Weil man sich dort auf das konstant gute Wetter verlassen kann und die Sonne immer so schön untergeht. Abgesehen von den immerzu pisswarmen Wassertemperaturen und den lustigen Pagen, haben die auch so hübsche, bunte Basare. Da kann man allerlei lustiges Tücherzeugs kaufen. Oder so schmuckes Ohrgehängsel, macht sich gut als Geburtstagsgeschenk. Am Abend kommt dann so ein Einheimischer, der zeigt Skorpione, Schlangen und so Mini-Drachen-Dings. Gut ist das, da machen die Kinder auch immer oh und ah. Das Essen ist auch ganz in Ordnung, n'bischen trocken und etwas viel Reis. Der Hellste ist der Koch ja nicht, hat die Frikadellen mit 'Kebap' angeschrieben. Nach zwei Wochen auf dem abgeschirmten Hotelgelände gehts zurück in die Heimat. Bei der Arbeit kann man dann die Ferienfotos herumzeigen und sich wundern warum Özdem die Postkarte, die man von der Rezeptionistin extra in ihrer Sprache hat verfassen lassen, nicht lesen konnte. Das, was die in Istanbul reden, kann ja nicht so verschieden sein. Mit dem Spacko von der Spedition will man weiterhin nichts zu tun haben, der kann immernoch kein Deutsch. Und jetzt behauptet der auch noch stotternd, er kenne dieses und jenes auch, was man vom Urlaub erzählt. Woher bitte will der das wissen? Der ist doch Araber! Dabei war man ja schliesslich in Ägypten, das ist dort mit den Pharaonen und Pyramiden. Die sind ganz anders. Sieht man auch im Film mit Kleopatra, die sind bei weitem nicht so dunkelhäutig wie Achmed. Aber der ist ja zu doof, um das zu wissen.
Es gibt so viele Dinge, die wir aus der arabischen, türkischen, persischen (usw) Kultur dankend aufgenommen haben. Sei es im Zusammenhang mit den Naturwissenschaften oder ein saftiges Stück Baklava. Aber irgendwie will es nicht in unsere dicken Schädel, die einfache Linie zwischen diesen mehr als nur angenehmen Begleitern unseres Alltags und diesen von uns ach so verachteten Leuten zu ziehen. Es scheint niemand zu hinterfragen, warum die Leute, die ihre Frauen verhüllen auch den orientalischen Tanz erfunden haben.
Der vorbildhafte Saladin wurde zusammen mit tausendundeiner Nacht nach 9/11 komplett aus unserem Bewusstsein gelöscht. Es gibt so viele Dinge, die man mit der orientalischen Kultur in Verbindung bringen könnte, aber wir haben uns als erste spontane Assoziation ein paar sozial gescheiterte Ingenieursstudenten ausgesucht, die sich an irgendeinem Punkt ihres Lebens in eine komische Seitengasse verirrt haben. Ich gratuliere, das muss man erstmal schaffen.
Und das ist das Schlimmste an der ganzen Angelegenheit. Unsere unendliche Ignoranz, die unsere Wahrnehmung zu spalten scheint, sodass wir in seltsamen Gegensätzen leben.
Ja, man könnte sagen, dass meine Haltung totalitär ist. Nur weil ich gerne amerikanische Fernsehshows gucke, muss ich ja nicht das ganze Land mögen. Natürlich. Aber ich weiss, dass die beiden Dinge einen Zusammenhang haben. Und ich unterscheide zwischen britisch und amerikanisch, wenn ich Glück habe auch zwischen irisch, schottisch, walisisch und englisch. Das wär ja mal was.
Aber wenn man mehrere Kulturkreise aufgrund ihrer Religion, die sie sich rein zufällig mit ein paar Idioten teilen, als Barbaren abstempelt, hat man irgendwas falsch gemacht.
| résumé: |
Mittwoch, 16. November 2011
My crystal ball works well
A call to theatre, postcards from Israel and my role in the world's revolution.
Diese Zeilen schrieb ich im Frühjahr in unsere Maturazeitung, an die Stelle, an der wir unsere Zukunftspläne beschreiben sollten. Da ich keine Ahnung hatte, schrieb ich damals - einige werdens schon erkannt haben - einen abgeänderten Mix aus Beirut Liedtexten.
Ich hatte Glück, bisher war meine Prognose vortrefflich.
Postcards from Israel
Nachdem ich eine Woche in Irland war, ging es endlich los: Ich flog diesen Sommer nach Israel, eine Sache die ich mir seit gefühlten 100 Jahren vorgenommen habe. Was hat es mir gebracht? Ich fühlte mich gealtert um einige Jahre. Teile meines Weltbildes wurden komplett umgekrempelt. Zu der Zeit zu der ich Matura machte, war es klar für mich, dass Theater meine Zukunft sein sollte. Israel war nur eine Reise. Ein Abenteuer. Eine Erfahrung, wie man so schön sagt. Doch als ich dann da war und sah, da änderte sich alles. Meine acht Wochen in Israel haben in mir die Empörung entstehen lassen, die Stéphanie Hessel sich herbeisehnt. Es war die Art von Erfahrung, die über die armen Kinder in Afrika hinausgeht. Diese nämlich kennen wir alle, doch die Bilder von den heraustretenden Augen und geblähten Bäuchen, führen niemanden zu irgendwas. Wir werden -kurzfristig- bedauern, um Weihnachten herum einer der unzähligen Spendenaktionen unsere Aufmerksamkeit und eine zweistellige Summe schenken und dann vergessen. Es mag sich pathetisch anhören, aber als ich aus Israel zurückkam konnte ich nicht vergessen- und kann es immernoch nicht. Ich konnte über die Geschichten nicht hinwegsehen, die mich so sehr berührt haben. Es ist dieses Gefühl eingetreten, welches einem verbietet einfach weiterzuleben, ohne etwas zu unternehmen. Aus dieser Ohnmacht bin ich weiter gestolpert, nach Osteuropa, mit meinem Freund. Wir kamen zurück und wieder hatte ich keinen Tag frei zwischen meinen schwindelerregenden Reisen, sofort tuckelte ich für ein Gespräch mit den Theatermenschen nach Luzern.
A call to theatre
Meine ersten Tage im Theaterbetrieb waren ein lähmendes wandeln durch einen Traum. Ich war plötzlich umgeben von den Leuten, die ich von unten mit bewundernden Blicken bestaunt hatte. Ich weiss noch, wie wir nach einem Theaterbesuch nachts in der Kälte, auf den Zug wartend, in den McDonalds flüchteten. Als wir dort sassen lief eine der Schauspielerinnen, die wir noch eben auf der Bühne gesehen hatten, auch dort rein. Muss ich sagen, wie aufgeregt wir waren, sie zu sehen? Man erkennt: das Praktikum beim Luzerner Theater war ein riesen Ding für mich. Ich durfte bei den Proben dabei sein, ich soufflierte, ich ging Möhren, Äpfel, Schokolade und Tee einkaufen, damit während den Proben alle gut versorgt waren, ich führte mit der Regieassistenz zusammen das Regiebuch, war immer verfügbar, arbeitete zehn Stunden, manchmal mehr. Eigentlich hatte ich kaum noch ein eigenes Leben, obwohl ich mir soviel vorgenommen habe, was ich in diesem Zwischenjahr alles machen könnte (anfangen ein Instrument zu spielen, Arabisch lernen, wieder Sport machen...), hat es mir aber nicht soviel ausgemacht. Das Theater holt das Beste heraus aus mir. Das Bild, das die Theatermenschen von mir haben, hat wohl sonst niemand von mir, den ich kenne. Ich sei charmant, aufgestellt, fröhlich, fleissig, immer zuvorkommend, motivierend, lieb. Niemand der mich sonst kennt, würde mich als fröhlichen Menschen bezeichnen. Ich bin die düster und pessimistische Motzerin, die alle anschnauzt und keinen Bock hat. Aus Prinzip nicht. An der Premiere, die wir letzten Freitag feiern durften, bekam ich einige Schöggeli, liebevoll bestriftet mit guten Wünschen und Dank für meine Arbeit. Ich wurde vielfach umarmt, es wurde gefeiert, gelacht, gesungen und getanzt. Es war gut und intensiv, ich fühlte mich so wohl, wie schon lange nicht mehr. Aber jetzt ist meine Arbeit beim Theater erstmal beendet, bis auf ein paar Abendspielleitungen, die ich eventuell noch bekommen könnte. Ob ich nochmal dabei bin, weiss ich noch nicht.
Seit Freitag habe ich keinen Finger gerührt, teils liegt das daran, dass ich und schon erwähtne Schauspielerin in einer Mischung aus Rausch und Premiere-Endorphinen-Regen auf die Idee kamen zu headbangen: mein Nacken droht abzufallen.Aber es liegt wohl auch daran, dass ich die Post-Matura-Leere, vor der ich gewarnt wurde, nun doch erlebe. Bisher hatte ich keinen Tag Pause. Ich war immer unterwegs, ich flog hier hin und dann da hin und gleich weiter, schlief kaum eine Nacht daheim zwischen meinen Reisen um die Welt.
Aber nun ist da nichts mehr. Ich habe momentan keine Pläne, keine Aufträge. Eigentlich habe ich mir diese Zeit als befreiend vorgestellt. Während der letzten beiden Wochen des Theaters gab es Tage, an denen ich 13,14 Stunden arbeitete, ich rannte nur noch von Termin zu Termin, der Rest der Zeit reichte nur noch zum essen, duschen und schlafen.
Aber anstatt die freie Zeit zu geniessen, fühle ich mich unwohl, unnütz.
Ich weiss nicht, wohin es mich führt. Das Theater, so sehr ich es liebe, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich eine Schuld in mir spüre. Die Schuld, zu den Wohlhabenden und Wohlgneährten zu gehören. Ich weiss nicht, ob mir Theater, eine Kunst, die einer Elite die Freizeit versüsst, als Lebensinhalt dienen kann. Gleichwohl weiss ich nun, dass es so intensiv ist, dass kaum für etwas anderes Zeit bleibt. Ausserdem ist der Weg schwer, es gibt wenige freie Plätze im Theater, man wird nicht besonders gut bezahlt, opfert dem Theater aber jeden Atemzug.
And my role in the world's revolution
Ich frage mich, ob ich meine Pläne, die mir noch vor einigen Monaten als in Stein gemeisselt vorkamen, ändern? Ist mein Platz im Theater? In der humanitären Hilfe? In der Revolution dieser Welt, die ich mir so sehr wünsche?
Ich denke.
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Sonntag, 16. Oktober 2011
Meanwhile in my life
Ja, wir haben uns aus den Augen verloren, beziehungsweise hielt mich mein Leben so fest in einem Würgegriff aus Stress, Neu und Reisen, dass ich gar nicht mehr zum Schreiben kam. Wie holt man mehr als einen Monat Leben nach? Kann man das überhaupt? Vielleicht war das der Grund, warum ich nicht mehr schrieb, der Zwang alles nachholen zu müssen.
Nun mache ich es mir einfach; ich zeige euch einfach die Bilder zu den einzelnen verpassten Momenten, die sollen ja bekanntlich mehr als tausend Worte sagen.
Tel Aviv
South Hebron Hills
Ost Europa Trip








Nun mache ich es mir einfach; ich zeige euch einfach die Bilder zu den einzelnen verpassten Momenten, die sollen ja bekanntlich mehr als tausend Worte sagen.
Tel Aviv
South Hebron Hills
Ost Europa Trip








| résumé: |
Dienstag, 16. August 2011
I'm coming to you, sandy beaches
Vor einer Woche in Jaffa aufgenommen. Muss dem Herrn Recht geben. Thumbs up für die Strände Tel Avivs und Jaffas. Und für fette Aloe Vera Pflanzen. Und den alten Flohmarkt. Und die ganzen Franzosen dort. Wieso auch immer. Dieses Wochenende fliege ich aus. Endlich wieder! Nach zwei Wochen im friedlichen aber auch öden Dörfchen.
| résumé: |
Donnerstag, 28. Juli 2011
Second Trip, Third Station: Lake Tiberias
Nicht die Golanhöhen, die wir aus den Nachrichten nur mit Gewalt verbinden, lassen uns im Auto erstarren. Sondern die Anzeige von 39°. Um diese Uhrzeit. Doch wir steigen aus, natürlich. Die Luft ist Watte, man kommt so schwer voran, wie im Wasser, welches ebenfalls 32° warm ist. Wir steigen hinein in die Badewanne, schliesslich klappt es nicht so, mit dem auf dem Wasser laufen. Wir geniessen den Wind und die tausenden Muscheln. Aber so wie die Sonne sich senkt heisst es ab nach Hause. Der Hügel ruft.
Das ist unsere Gruppe. Schön und gut war es. Nahezu perfekt möchte man sagen. Und heute, bald, jetzt, auf ein neues! Wir brechen auf, in anderer Formation, aber das Wesentliche ist da. Das Fieber, die Wanderlust, die offenen Augen und Herzen.
| résumé: |
Second Trip, Second Station: Akko
Wir holen tief Luft am Meer und stürzen uns in die Gerüche und Farben des Marktes, halten die Luft an in der Moschee und atmen auf bei Falafel und Humus. Ich könnte es in Worten kaum schöner sagen als in Bildern. Die Hitze drückt die Eindrücke erst recht unter die Haut, ich fühle mich dick vom Erleben, es ist wie ein Fieber, ein schwindelerregender Zustand des Entdeckens.Allzu schnell verlassen wir Akko und es geht weiter Richtung Tiberias.
| résumé: |
Mittwoch, 27. Juli 2011
Volunteers House
Und zum Schluss (weil gewünscht worden) ein Bild von mir und Mahmud, der sich auf dieses Bild geschlichen hat und neben mir stand, als sei es das natürlichste der Welt, dass er da auch drauf muss. Überhaupt muss ich noch einiges erzählen von unseren Katzen. Von Mahmud, der kleinen Grauen, der promisken Mutter und ihren zwei scheuen Jungen, von Frankensteincat, vom einäugigen Schwarzen, von der flauschigen Grauen vom Nachbarn. Es ist voll mit Katzen hier, überall lauert eine, qualvoll miauend, weil sie zu fressen möchte. Am liebsten die Pastrami from Romania. Gibts aber nicht. Dafür alle möglichen Essenresten von uns und wenn sie allzu sehr betteln, dann erbarme ich mich und gebe ihnnen trockenes Brot in einen Schluck Milch getunkt.
Auch Hunde gibts, aber -da bin ich eins mit den Arabern- ich mag sie weniger. Buddy vom Nachbarn wird von seinem kindlichen Halter wie ein Rottweiler gehalten, sieht aber aus wie ein Collie-Verschnitt und ist eher scheu- ausser wenns darum geht uns vor die Tür zu kacken, natürlich. Meine Lieblingshunde sind Mary und Lula. Lula ist gerade auf unserem Dach, lässt sich den dicken Ranzen kraulen (Herrchen Shadi erzählt, sie habe heute den Trockenfutter-Sack umgekippt und wie ein Staubsauger alles in sich hineingestopft). Ich aber lege mich jetzt auf den Ranzen, den morgen wartet ein neuer Arbeitstag, der bezwungen werden will. Meine Hände pulsieren, sie sind Rot, die Haut gleicht getrocknetem Leim. Manchmal ist die Arbeit eben doch hart, also freue ich mich umso mehr auf mein Wochenende, welches Morgen in Jerusalem beginnt. Wieder im Citadel Hostel. Und dann weiter nach Bethlehem, das liegt schon im Westjordanland, die Dimensionen schrumpfen. Ich kann noch immer nicht Israeli von Palästinenser unterscheiden, auch bei Hebräisch und Arabisch klappts nicht immer, aber genau diese Leute bekriegen sich seit 70 Jahren um diesen schmalen Landstreifen. Da soll einer schlau werden. All die Gedanken, die ich zu Israel hatte, all die Gefühle den Juden gegenüber verschwimmen. Zusammen mit meinen Vorurteilen gegenüber Arabern und mit all meinem vermeintlichen Wissen über sie.Und auch ich verschwimme. Mit allem was ich dachte, offenbare ich was ich bin, aber nun da sich nicht nur meine Gedanken ändern, muss ich einsehen, dass es mehr braucht, nämlich eine Änderung vom Wie-Denken. Von der grundlegenden Einstellung, vom Startpunkt. Aber bis ich wieder einen neuen Anker gesetzt habe, vertröste ich euch mit weiteren Aufnahmen von mir in Schlafanzug Klamotten, die hier eben das einzig Richtige sind.
Auch Hunde gibts, aber -da bin ich eins mit den Arabern- ich mag sie weniger. Buddy vom Nachbarn wird von seinem kindlichen Halter wie ein Rottweiler gehalten, sieht aber aus wie ein Collie-Verschnitt und ist eher scheu- ausser wenns darum geht uns vor die Tür zu kacken, natürlich. Meine Lieblingshunde sind Mary und Lula. Lula ist gerade auf unserem Dach, lässt sich den dicken Ranzen kraulen (Herrchen Shadi erzählt, sie habe heute den Trockenfutter-Sack umgekippt und wie ein Staubsauger alles in sich hineingestopft). Ich aber lege mich jetzt auf den Ranzen, den morgen wartet ein neuer Arbeitstag, der bezwungen werden will. Meine Hände pulsieren, sie sind Rot, die Haut gleicht getrocknetem Leim. Manchmal ist die Arbeit eben doch hart, also freue ich mich umso mehr auf mein Wochenende, welches Morgen in Jerusalem beginnt. Wieder im Citadel Hostel. Und dann weiter nach Bethlehem, das liegt schon im Westjordanland, die Dimensionen schrumpfen. Ich kann noch immer nicht Israeli von Palästinenser unterscheiden, auch bei Hebräisch und Arabisch klappts nicht immer, aber genau diese Leute bekriegen sich seit 70 Jahren um diesen schmalen Landstreifen. Da soll einer schlau werden. All die Gedanken, die ich zu Israel hatte, all die Gefühle den Juden gegenüber verschwimmen. Zusammen mit meinen Vorurteilen gegenüber Arabern und mit all meinem vermeintlichen Wissen über sie.Und auch ich verschwimme. Mit allem was ich dachte, offenbare ich was ich bin, aber nun da sich nicht nur meine Gedanken ändern, muss ich einsehen, dass es mehr braucht, nämlich eine Änderung vom Wie-Denken. Von der grundlegenden Einstellung, vom Startpunkt. Aber bis ich wieder einen neuen Anker gesetzt habe, vertröste ich euch mit weiteren Aufnahmen von mir in Schlafanzug Klamotten, die hier eben das einzig Richtige sind.
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